Inkontinenz – Formen, Ursachen und Behandlung

Inkontinenz: Formen, Ursachen, Therapie

Als Inkontinenz bezeichnet man den ungewollten und nicht kontrollierten Verlust von Harn oder Stuhl, weil man diesen nicht mehr halten kann. Wenn es sich um den unkontrollierten Verlust von Urin handelt, nennt man dies Harninkontinenz.

Der ungewollte Verlust von Stuhl wird als Stuhlinkontinenz bezeichnet.

Es gibt verschiedene Formen von Inkontinenz, weshalb die Ursachen sehr unterschiedlich sein können.

Im Verlaufe dieses Artikels wird die Harninkontinenz genauer erläutert, von welcher sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Form und Schwere der Inkontinenz ab. Es gibt jedoch unterschiedliche Möglichkeiten die Muskeln und schwache Blase zu stärken.

  • Formen und Ursachen
  • Behandlungsmöglichkeiten

 

Formen der Harninkontinenz

Die Harnblase: Kurzer Überblick

Der Urin wird in den Nieren gebildet und in der Harnblase zwischengespeichert. Deshalb bezeichnet man die Harnblase auch als Speicherorgan. Sie hält uns davon ab, ständig die Toilette aufsuchen zu müssen.

Die Harnblase hat ein Fassungsvermögen von einem halben bis dreiviertel Liter und besitzt zudem eine hohe Flexibilität. Wenn Urin von der Harnblase aufgenommen wird, vergrößert sich ihr Volumen. Ab einem bestimmten Punkt werden Impulse an unser Gehirn gesendet, welche uns mitteilen, dass unsere Harnblase gefüllt ist. Dadurch wird der Ausscheidungsreflex ausgelöst.

Der unkontrollierte Urinverlust wird von zwei Schließmuskeln verhindert. Der erste Schließmuskel ist der Harnblasenschließmuskel. Dieser befindet sich an der Stelle, wo die Harnblase zur Harnröhre übergeht. Der zweite äußere Schließmuskel, auch Harnröhrenschließmuskel genannt, kann von uns bewusst kontrolliert werden. Dadurch ist es uns möglich, den Urin zurückzuhalten. Zu dem Harnsystem zählen die Nieren, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre.

Wenn bestimmte Beschwerden das Harnsystem beeinträchtigen, kann dies zu Problemen beim Wasserlassen führen. Bei Frauen tritt häufig eine Blasenentzündung auf. Bei Männern führt eine vergrößerte Prostata im Alter meist zu Problemen beim Wasserlassen. Grundsätzlich beeinträchtigt eine Harninkontinenz das Wasserlassen. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich und können auf verschiedene Faktoren zurückführen.

 

Prostatavergrößerung

Ab dem 50. Lebensjahr treten bei fast jedem Mann Veränderungen der Prostata auf. Eines dieser Veränderungen kann die Prostatavergrößerung sein. Diese ist auch bekannt unter der medizinischen Bezeichnung benigne Prostatahyperplasie. Mit dem Alter vergrößert sich die Prostata beim Mann, wodurch es zu einer Verengung der Harnröhre kommen kann. Dies hat zur Folge, dass der Urinabfluss gestört oder vollständig verhindert wird. Dem Betroffenen ist es dann nicht möglich, die Harnblase vollständig zu entleeren, wodurch sie ständig am „überlaufen“ ist.

Symptome, welche bei einer Prostatavergrößerung auftreten können, sind zum Beispiel ein verstärkter Harndrang, ein plötzlicher Harndrang, ein nächtlicher Harndrang und ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl.

Die Ursachen für eine Prostatahyperplasie sind noch nicht vollständig geklärt, allerdings scheinen Hormone eine wichtige Rolle zu spielen. Falls Sie sich mehr über die benigne Prostatahyperplasie informieren wollen, können Sie einfach hier klicken.

 

Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)

Die Belastungsinkontinenz tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf und ist auch unter der Bezeichnung Stressinkontinenz bekannt. Bei dieser Form der Inkontinenz ist der Schließmuskel am Blasenhals, der Harnblasenschließmuskel, geschwächt.

Wenn auf die Harnblase Druck ausgeübt wird, kann der Harn nicht gehalten werden. Dieser Druck kann schon beim Lachen, Niesen oder Husten ausgelöst werden, wodurch der Betroffene unbewusst und ungewollt Harn verliert. Ein Harndrang ist in diesem Falle nicht vorhanden.

Die häufigste Ursache für eine Belastungsinkontinenz ist eine schwache Beckenbodenmuskulatur. Andere Ursachen können eine Schwächung des Schließmuskels der Harnblase, eine Geburt, hormonelle Veränderungen oder eine Prostataoperation sein.

Eine Beeinträchtigung der Schließmuskulatur durch eine Operation tritt meist bei Prostatakrebs auf. Die Prostata wird bei solch einer radikalen Prostatektomie vollständig entfernt, wodurch der Schließmuskel nicht mehr seine ganze Kraft besitzt und auch die umliegende Muskulatur beeinträchtigt wird. Dies führt zu einer Inkontinenz, die innerhalb von 12 Monaten nach der Operation wieder geheilt werden sollte.

Um diesen Prozess der Heilung zu beschleunigen und Ihren Schließmuskel sowie Ihre Beckenbodenmuskulatur zu stärken, haben wir bei Healthletics verschiedene Übungen entwickelt. Ein individuelles Trainingsprogramm soll Ihnen dabei helfen, vor und nach der Operation Ihre Schließmuskulatur und Ihre Beckenbodenmuskulatur zu stärken, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Je schwächer die Schließmuskeln und der Beckenboden sind, desto höher ist die Gefahr, die Inkontinenz innerhalb der 12 Monate nicht vollständig heilen zu können. Dieser Zustand ist in den meisten Fällen dann irreversibel. Unser Ziel ist es, Sie durch sportwissenschaftliche Methoden schnell wieder gesunden zu lassen und Ihnen dabei zu helfen, Ihre Lebensqualität im Falle einer Inkontinenz zurückzugewinnen. Für mehr Informationen können Sie gerne hier klicken.

 

Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz tritt bei Betroffenen ein plötzlicher Harndrang auf. Dieser kann nicht unterdrückt werden, weshalb es zu einem unfreiwilligen Harnverlust kommt. Meist verliert der Betroffene nur wenig Urin, allerdings kann es in einzelnen Fällen auch zu einer kompletten Entleerung der Harnblase kommen. Der Betroffene verspürt zudem einen häufigen Harndrang.

Es gibt 2 Formen der Dranginkontinenz:

  1. Die erste Form ist die sensorische Dranginkontinenz. Dies bedeutet, dass die Wahrnehmung der Blasenfüllung gestört ist. Solch eine Störung kann durch Entzündungen, Tumore oder Blasensteine ausgelöst werden.
  2. Bei der zweiten Form handelt es sich um die motorische Dranginkontinenz. Ein nicht unterdrückbarer Harndrang wird durch gestörte Nervenimpulse hervorgerufen. Die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich. Meist sind neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder ein Schlaganfall der Grund für diese Form der Dranginkontinenz. Auch Alzheimer und psychosomatische Ursachen können eine Dranginkontinenz zur Folge haben.

 

Mischinkontinenz

Bei einer Mischinkontinenz treten sowohl die Symptome einer Belastungsinkontinenz sowie auch die einer Dranginkontinenz auf. Diese Form der Inkontinenz tritt am häufigsten auf. Eine der beiden Formen ist allerdings stärker ausgeprägt. Um die bestmögliche Behandlung zu erreichen, ist die Kombination beider Behandlungsmethoden am besten.

 

Überlaufinkontinenz

Wenn die Blase ständig gefüllt ist und nicht entleert werden kann, spricht man von einer Überlaufinkontinenz. Der Urin wird daran gehindert, abzufließen, wodurch ein ständiger Druck auf die Blase ausgeübt wird. Dadurch verliert der Betroffene unkontrolliert und tröpfchenweise Urin. Ein ständiger Harndrang zählt auch zu den Symptomen einer Überlaufinkontinenz.

Auch hier sind die Ursachen vielfältig. Die häufigste Ursache ist eine vergrößerte Prostata, welche die Harnröhre verengt und somit den ungehinderten Abfluss des Urins verhindert. Andere Ursachen können ein Tumor in der Harnröhre oder neurologische Erkrankungen sein.

 

Reflexinkontinenz

Aufgrund einer Fehlsteuerung zwischen dem Gehirn und dem Zentrum im Rückenmark kommt es zu einem Kontrollverlust über den Schließmuskel der Harnblase. Auch bei dieser Art der Inkontinenz unterteilt man in zwei verschiedene Formen:

  1. Die erste Form ist die spinale Reflexinkontinenz. Der Blasenmuskel zieht sich bei dieser Form unkontrolliert und reflexartig zusammen. Grund für diese Art der Inkontinenz ist meist eine Verletzung oder Erkrankung des Rückenmarks wie bei einer Multiple Sklerose oder einer Querschnittlähmung.
  2. Bei der zweiten Form handelt es sich um eine supraspinale Reflexinkontinenz. Durch eine Störung der Hirnleistung verliert der Betroffene die Kontrolle über die Blasenentleerung und verspürt keinen Harndrang vor dem Harnverlust. Ursachen können Demenz, Alzheimer, ein Schlaganfall oder Parkinson sein.

 

Vorübergehende Harninkontinenz

Bestimmte Medikamente, Lebensmittel oder Getränke können die Blase anregen und einen häufigen Harndrang auslösen.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Hausmittel, die einem bei Blasenbeschwerden Erleichterung verschaffen können. Dazu zählen Brennnessel Tee, welcher harntreibend wirkt und die Blase durchspült, Cranberry Saft oder getrocknete Cranberrys, Preiselbeeren-Saft, der Harnwegsinfekte und Blasenentzündungen vorbeugt und Goldrute, die das Bakterienwachstum hemmt und harntreibend wirkt.

Therapie

Es gibt viele Methoden, um eine Inkontinenz mit einer Therapie zu behandeln.

Bei Männern ist es wichtig, dass sie ab dem 50. Lebensjahr zu einer Prostatakrebsvorsorge gehen, um die Gesundheit der Prostata überprüfen zu lassen. Ein Urologe Ihres Vertrauens kann auch feststellen, ob eine gutartige Vergrößerung der Prostata vorliegt und demnach die richtige Therapieform empfehlen.

Diese Formen der Therapie helfen bei einer Inkontinenz:

  1. Beckenbodentraining: Das Beckenbodentraining wird über einen längeren Zeitraum durchgeführt und soll die Beckenbodenmuskulatur stärken. Es gibt Physiotherapeuten und ausgebildete Trainer, welche ein Beckenbodentraining anbieten. Solch ein Training schützt einen nicht vor einer Blasenschwäche, jedoch verringert sich die Wahrscheinlichkeit mit einer kräftigen Beckenbodenmuskulatur an Inkontinenz zu leiden.
  2. Blasentraining: Ihr Arzt legt mit Ihnen spezielle Trinkmengen und feste Toilettenzeiten fest, um den Harndrang zu vermindern und das häufige Wasserlassen abzutrainieren. Diese Art des Trainings kann bei vielen Formen der Inkontinenz helfen.
  3. Ernährung: Bei Übergewicht ist es wichtig, auf eine gesunde und ausgewogene Weise abzunehmen. Dies soll dabei helfen, die Symptome der Inkontinenz zu vermindern.
  4. Medikamente: Die Art der Inkontinenz entscheidet, welches Medikament am besten für die Behandlung geeignet ist. Antibiotika werden bei einer Infektion der Harnröhre, Blasenentzündung oder bei Geschlechtskrankheiten verschrieben. Wenn eine vergrößerte Prostata der Grund für die Inkontinenz ist, gibt es auch medikamentöse Möglichkeiten, diese ein wenig zu verkleinern. Abhängig von der Diagnose, entscheidet Ihr Arzt, welche medikamentöse Behandlung am besten wäre.
  5. Operatives Verfahren: Eine Operation wird nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen und auch nur wenn die anderen Formen der Therapie keine Linderung verschaffen konnten. Bei Blasensteinen oder Prostatakrebs ist es allerdings empfehlenswert durch eine Operation den Betroffenen zu erleichtern. Auch hier gibt es unterschiedliche Verfahren, über welche Ihr Arzt Sie in einem Gespräch aufklären würde.

Leiden Sie auch an Inkontinenz? Dann ergreifen Sie jetzt die Initiative und nehmen an unserem bewährten Beckenbodentraining teil, um ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.